Attendorn. Es gibt keinen historischen Beleg, dass im altehrwürdigen Sauerländer Dom schon einmal eine Priesterweihe stattfand, so sagte es in einführenden Worten am Samstagmorgen, 12. Juni, Jugendseelsorger und Weggefährte Alexander Sieler. In den inhaltlichen Impulsen, die Alexander Sieler vor der Priesterweihe sprach, kam auch vor, dass Sebastian Springob als Mitglied von „Voluntas Dei“ jeden Tag fünf gute Taten zu erfüllen habe und in Armut, Gehorsam und Enthaltsamkeit leben solle. Sieler: „Wenn er das beherzigt, dann berühren sich ein wenig Himmel und Erde“. Der Freund von Sebastian Springob regte anlässlich des großen Ereignisses zur guten Laune an und gab der Corona geschuldeten stark dezimierten Zuhörergemeinschaft den Ratschlag: „Schauen Sie freundlich, das sieht man, auch wenn Sie eine Maske tragen.“

Neupriester Sebastian Springob mit Weihbischof Mathias König, Pastor Christian Matuschek, Pfarrer Andreas Neuser und Diakon Thomas Ludwig.

Dann um Punkt 10 Uhr begann mit dem festlichen Orgelspiel und dem Einzug der Messdienerinnen und Messdienern, dem Hauptzelebranten, Weihbischof Matthias König, Dechant Andreas Neuser, Pastor Christian Matuschek vom Säkularinstitutes „Voluntas Dei“, Diakon Thomas Ludwig und Sebastian Springob die eigentliche Feier der Priesterweihe. Höchstwahrscheinlich also eine Premiere in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Aber auch für den kirchlichen Würdenträger aus Paderborn gab es eine Premiere, denn in seinem 17. Jahr als Bischof, stand er erstmals einer Priesterweihe vor. Dechant und Hausherr Andreas Neuser oblag die Begrüßung, in der er an die Diakonenweihe von Sebastian Springob am 13. März 2020 erinnerte, die auf den letzten Drücker vor dem harten Lockdown stattfand.

 Die Aufzeichnung der Weihe und der Primiz kann in unserem Youtube-Kanal abgerufen werden.

Die Regularien legten fest, dass Pastor Christian Matuschek, als Beauftragter Vertreter des Säkularinstitutes „Voluntas Dei“, offiziell um die Weihe von Sebastian Springob bittet. Nach der Frage des Bischofs, ob der Kandidat sich eignet, berichtete Matuschek kurz über den geistlichen Weg von Sebastian Springob und bezeugte anschließend die Eignung zur Weihe.

Im Wortgottesdienst waren auch Schüler und Lehrer des St.-Ursula-Gymnasiums mit eingebunden. So sprach Kevin Risch die Lesung. Fabian Bodora und Raphaele Voß trugen etwas speziell auf ihren Lehrerkollegen getextetes vor, in dem es unter anderem hieß: „Wir hören von Maria und schauen auf Sebastian, und auch in uns hüpft das Herz in der Schau einer neuen Welt vor Freude. Wir feiern heute Sebastians Priesterweihe, das Fest einer neuen Welt geht weiter.“Und bei einer Gabenprozession überreichten Schüler*innen unter anderem das St.-Ursula-Schiff, das Symbol der Schule.

Weihbischof Mathias König hat Sebastian Springob geweiht.

Weihbischof König kam zeitig zur Priesterweihe nach Attendorn und suchte vorab das Gespräch mit jungen Schülerinnen des St.-Ursula-Gymnasiums. Dabei flachste der Paderborner Bischof indem er den Schülerinnen sagte, dass Sebastian Springob nicht mehr zu haben sei. Diese antworteten daraufhin spontan und selbstbewusst : „Das wissen wir.“ In seiner Predigt bat Weihbischof König den Neupriester, „wach zu bleiben, für den Willen Gottes“. Der Würdenträger meinte, wenn ein Boulevard-Blatt über Sebastian Springob schreiben würde, könnte er sich folgende Überschrift vorstellen: „Vom Prinzen im Karneval zum Priester“. König gab dabei zu bedenken, dass der Prinz nur eine Saison bleibt, der Priester aber ein Leben lang. Anschließend erfolgte die Weihehandlung mit der Herabrufung des Heiligen Geistes, Handauflegung, Weihegebet, erstmaliges Anlegen der liturgischen Gewänder, Salbung der Hände, Überreichung von Brot und Wein und der Umarmung.

Zum Schluss freute sich Heimatpfarrer Andreas Neuser, dass das große Ereignis durch die modernen Medien in alle Welt übertragen werden konnte und verteilte auch ein Kompliment an den Weihbischof: „Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass Du das zum ersten Mal gemacht hast.“Sebastian Springob gab zu, sehr bewegt zu sein: „Vieles von dem Gesagten ist genau auf den Punkt gebracht worden.“ Für den 45-Jährigen war es bisher ein kurviger Lebenslauf und erst im zweiten Anlauf, nachdem er das „Voluntas Dei Institut“ - 1958 in Kanada gegründet - kennenlernte, wurde die Berufung zum Priester konkret.

Am 13. Juni feierte Sebastian Springob seine Primiz.

Am Sonntagmorgen, 13. Juni, folgte die Primizmesse, das erste Messopfer, das Fr. (englisch Father) Sebastian Springob am Zelebrationsaltar seiner Heimatkirche feierte. Während der Messe segnete Dechant Andreas Neuser, das Primizgewand, welches in der Benediktinerabtei Königsmünster herstellt worden ist. Außerdem den Kelch (ein Geschenk der Familie) und die dazu passende Hostienschale, die die Attendorner Karnevalisten (Elferrat, Rote Funken, Prinzenkomitee und Garde des Kinderprinzen) finanzierten. Im Stiel des Kelches befindet sich eine Besonderheit aus der Atta-Höhle. Ein Calzitchristall, das dem Primizianten Wolfgang Böhmer schenkte. Die Primizpredigt oblag Sebastian Springob’s Chef und Schulleiter von St. Ursula, Pastor Markus Ratajski. Er machte deutlich, dass Sebastian Springob aus der Mitte der Gesellschaft Attendorn‘s kommt und auch als Priester hier Boden- und Ortsverhaftet leben wird. Wir feiern einen neuen Priester und das in dieser schwierigen Zeit, in der sich die Kirche befindet, sagte der Direktor des St.-Ursula-Gymnasiums zu den Gläubigen. Mit dem Patronatslied „St. Johannes hoch in Gnaden“ endete die eineinhalbstündige Primizfeier. Im Rahmen des Möglichen wurde dem Neupriester am Pfarrheim gratuliert und am Nachmittag spendete Sebastian Springob noch den persönlichen Primizsegen für alle Gekommenen.

Mit Pfarrer Andreas Neuser, Pastor Markus Ratajski, sowie Diakon Thomas Ludwig, sowie einigen Messdienern, feierte er die Primiz.

Text und Bilder: Meinolf Lüttecke