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„Tradition ist nur so lange gut, wie nichts Besseres an deren Stelle tritt“ – so schrieb es Pfarrer Johannes Klinkhammer schon 1966 im Pfarrbrief und verband vor mehr als 50 Jahren schon damit die Frage, ob die Flurprozession denn unbedingt noch über Ennest geführt werden müsse. „ … wenn Tradition Bestand haben soll, muss sie auch gepflegt werden“, so Pfarrer Klinkhammer damals.

Nun ist der ursprüngliche Prozessionsweg der Flurprozession in den letzten Jahrzehnten durch äußere Umstände immer mehr eingeschränkt worden, sodass die 1658 vom Pfarrer Zeppenfeld beschriebene große Prozession am Tage vor Christi Himmelfahrt „umb die Saath“ schon lange nicht mehr existent ist.
So schreibt Pfarrer Zeppenfeld 1658: „Früh morgens um zwei Uhr zog man aus. Unterwegs wurden an verschiedenen Orten Predigten durch den Kaplan oder jüngeren Vikar gehalten, zusammen neun. Ebenfalls wurden die vier Evangelien gesungen. Einer der beiden geistlichen Herren hatte die hl. Messe in Ennest zu lesen, der andere ein Hochamt in Heggen. Des Abends um 5 Uhr kehrte man zurück.“

Am 23. Mai 1740 notierte Dechant Höynck: „daß die Flurprozession mit einer Messe um 4 Uhr in der Attendorner Pfarrkirche beginnt, im Ohl sei die Predigt, in Ennest die 3. Station, in Heggen Messe und 4. Station. In Heggen sei eine Pause verordnet. In dieser Pause könnten der Priester, Küster, Schulmeister und ein Vorsänger, sonst niemand, ein Essen einnehmen, bestehend aus einem warmen Bier, einem Pfannkuchen, etliche Eier, Butter und Brot, ein Maß Bier.“

1804 beschnitt das Generalvikariat in Deutz erstmals den ursprünglichen Prozessionsweg, indem dieser nicht mehr über Heggen und Ahausen, sondern über Ennest nach Attendorn zurückführte. Außerdem wurde seitdem nur noch eine Predigt im Ewiger Ohl gehalten. Bis 1828 hatte die Stadt die Kosten für Kreuz-, Fahnen- und Baldachinträger, die Musik und die Vorsänger übernommen. 1855 wurde der Prozessionsweg sogar grundbuchamtlich eingetragen.

Feldprozession 1940

Schon in den frühesten Erwähnungen wird immer wieder das besondere Engagement der Bewohner von Mühlhardt und Ennest hervorgehoben, die den Prozessionweg bedeutend ausschmückten. Das Hochamt in der Ennester Kirche war gleichzeitig eine Gelegenheit, Rast zu machen und sich entsprechend zu stärken. Danach zog die Prozession von Ennest aus über das Askay zum Bildstock am Heiderbaum, von dort den Heggener Weg und Grafweg hinunter über den Ostwall und die Wasserstraße zurück zur Pfarrkirche.

Bleibende Verdienste haben sich die Attendorner um den Erhalt „ihrer“ Feldprozession vor allem während der Zeit der nationalistischen Gewaltherrschaft erworben. Als die Prozession ab 1941 staatlichereits verboten wurde, gingen trotzdem, ohne Begleitung eines Priesters, 1941 und 1942 hunderte von Attendornern den traditionellen Weg, wobei anschließend etliche treue Gemeindeangehörige verhaftet und im berüchtigten Dortmunder Gefängnis „Steinwache“ verhört und bestraft wurden. Höhepunkt des Widerstandes war die Verhaftung des Attendorner Dechanten Richard Schwunk, der 1944 seines Amtes als Pfarrer enthoben und des Landes verwiesen wurde. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Feldprozession auf dem traditionellen Weg erstmals 1945 wieder durchgeführt.

Mit dem Jahr 1966 traten im Hinblick auf den Prozessionsweg zahlreiche Änderungen ein, die vor allem durch bauliche Maßnahmen eingeleitet wurden. So konnte die Predigt im Ohl nicht mehr stattfinden, da sich dort Industriebetriebe angesiedelt hatten. 1969 beschloss der Pfarrgemeinderat, einen neuen und kürzeren Prozessionsweg einzuführen: „1. Station: nach der 7- Uhr-Messe ist Kreuzung Stappenweg/Wippeskuhlen, 2. Station: Hahnbeulkreuz, 3. Station: Holzweghaus an der Ennester Straße, 4. und letzte Station ist in der Josefskirche, wo nach der Prozession um 10.15 Uhr die Eucharistie gefeiert wird.“

Nachdem auf einem Großteil der Ennester Feldflur das neue Industriegebiet Ennest entstanden war, wurde erneut eine Änderung des Prozessionsweges nötig. So ging man seit 1997 durch das Schwalbenohl zur Josefskirche. Seit Schließung der Josefskirche 2012 endet die Flurprozession im Gemeindezentrum der Pfarrei „Seliger Adolph Kolping“.
Im Oktober 2013 lud der Pfarrgemeinderat die Bevölkerung ein, um die Zukunft der Flurprozession zu beraten.

Seitdem hat die Beteiligung an der Flurprozession immer mehr abgenommen, sodass die Gremien der Pfarrei der Meinung sind, die Prozession nicht mehr durchzuführen, da sich diese uralte Tradition offensichtlich überlebt hat. Gleichzeitig gilt aber ein großer Dank all denen, die sich bis zum Schluss um eine würdige Ausgestaltung des Prozessionweges ehrenamtlich bemüht und letztlich auch persönlich an der Prozession teilgenommen haben.

Otto Höffer